Leseprobe aus:
Märchenhaus-Geschichten für den Kaminabend
Annika Dick
Stinkstiefel und GummistiefelEs war Anfang Dezember, als Tinas Welt, oder das, was
zu diesem Zeitpunkt noch von ihr übrig geblieben war, zusammenstürzte.
Noch im Sommer hatte ihr Chef ihnen versichert, dass die Krise ausgestanden sei, ihre Arbeitsplätze sicher wären. Dann, kurz vor der Mittagspause an diesem Dezembermontag erfolgte die traurige Realität: Die Krise war nicht abgewendet, dir Firma insolvent und Tina ihren Job los. Sie fühlte sich hundeelend, als sie sich auf den
Heimweg machte. Wie gut standen wohl die Chancen, dass sie noch dieses Jahr eine neue Stelle fand? Sie wagte gar nicht, lange darüber nachzudenken.
Zu Hause wartete niemand auf sie, dabei hätte Tina menschlichen
Beistand jetzt dringend nötig gehabt. Ihre Mutter verbrachte den Winter auf einer Kreuzfahrt in der Karibik mit ihrem neuen Freund. Ihren Vater hatte Tina seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Und von den meisten ihrer Freunde hatte sie sich vor Monaten losgesagt. Sie waren alle auch Franks Freunde. Und Monis. Und mit den beiden wollte sie auf gar keinen Fall etwas zu tun haben. Monatelang hatten die Zwei sie belogen und betrogen. Ihr Freund und ihre beste Freundin. Am Wochenende gaben sie ihre Verlobung in der Zeitung bekannt. Und Tina hatte sich mit einer Packung Erdbeereis unter der Bettdecke verkrochenund ihre Wunden geleckt.
An diesem Tag verkroch sie sich nicht unter der Bettdecke.
Sie musste einen neuen Job finden. Die Rechnungen zahlten sich nicht von alleine und Essen wollte sie ja schließlich auch. Seufzend ließ sie sich mit der Samstagszeitung am Küchentisch nieder, um in den Stellenanzeigen zu stöbern.
Das Klingeln des Telefons riss sie schon kurze Zeit später
aus ihrer Lektüre. Nicht, dass sie besonders erbauend gewesen wäre.
»Spreche ich mit Frau Tina Sattler? Mein Name ist Dr.
Beier, ich bin der Arzt Ihres Großonkels und muss sie dringend sprechen. Herr Sattler weigert sich, meinen Rat zu befolgen und in ein Altersheim zu ziehen. Daher dachte ich, Sie könnten ihn vielleicht überreden. Er ist schließlich nicht mehr der Jüngste. Und so ganz allein da draußen auf seinem Hof mit den Tieren, er kann sich doch kaum um das Haus und sich selbst kümmern.«
Tina hörte dem Arzt schweigend zu. Sie erinnerte sich vage
an einen Onkel ihres Vaters. Aber auch als Kind hatte sie ihn nur auf Fotos gesehen. Und ausgerechnet sie sollte diesen Mann dazu überreden, aus seinem Heim auszuziehen?
»Ich glaube nicht, dass ich die richtige Ansprechpartnerin
für Sie bin.« Doch Dr. Beier ließ sie gar nicht ausreden.
»Bitte, ich mache mir wirklich Sorgen um ihn. Er ist recht,
nun, dickköpfig. Er lässt sich von mir nichts sagen. Vielleicht
gelingt es Ihnen ja als Familienmitglied. Besuchen Sie
ihn und überzeugen Sie sich selbst. Er kann dort nicht alleine
leben!«
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