Donnerstag, 5. Juli 2012

viking-Eine große Reise

Gestern erfolgte der erlösende Anruf aus der Druckerei. Die Bücher sind im Versand und kommen noch rechtzeitig vor der Military Tattoo Messe an. So steht der Buchpräsentation dieses tollen Buches auf einer schottischen Messe nichts mehr im Wege. 

 







Leseprobe:


Wie in einem Traum erinnerte ich mich daran, wie ich als kleiner
Junge am Türspalt stand, wir hatten gerade Besuch bekommen:
Meine Tante hatte mich nur kurz begrüßt. Seltsam, sie hatte mich doch sonst immer fast mit ihrer übertriebenen Umarmung erdrückt.
Nun stand sie mit meiner Mutter zusammen und umarmte, statt meiner, sie. Meine Mutter weinte. Ich schaute mit einem Auge durch den Türspalt und verstand so gut wie nichts, nur:
  „Wie erkläre ich es dem Jungen, wie erkläre ich es dem Jungen?“
Immer und immer wieder. Es war so fern der Realität für einen kleinen Jungen wie mich, der seinen Vater nie wieder sehen würde.

Flö klopfte auf meine Schulter und holte mich zurück aus meinem Traum. Er hielt die Hand auf. Was wollte er denn? Ach ja, den Pfeil. Ich legte ihn Flö in die geöffnete Handfläche und erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich für einen kurzen Moment eine Waffe in der Hand gehalten hatte. Ich war sehr müde und der Hals schmerzte stark. Flö reichte mir eine weitere, widerlich
nach Schaf stinkende Decke, in die ich mich einwickeln sollte. Es könnte eine kalt Nacht werden, dachte ich, als ich mich in das Fell einrollte. Schemenhaft nahm ich wahr, wie sich jeweils zwei Mann eine Art Schlafsack teilten, aber ich war viel zu müde, um mir darüber Gedanken zu machen und versuchte etwas Schlaf zu finden. Es wurde alles zu viel für mich. Es war kalt. So kalt, dass ich nicht zur Ruhe kam. Auch innerlich war ich zu sehr aufgewühlt. Was sollte das alles nur bedeuten, warum war ich hier? Ich richtete meinen Oberkörper auf, erblicken konnte ich aber nichts, zu dicht war das mittschiffs gespannte Segel. Wenn mir doch nicht so erbärmlich kalt wäre. Aber wenigstens konnte ich einigermaßen weich liegen, wie herrlich konnte doch frisches Stroh sein. Irgendwann musste ich dann doch eingeschlafen sein. Geweckt hatte mich die Sonne, ein Fußtritt und ein seltsamer Traum, in dem ich nichts sah, nur meine Tochter hörte:
  „Papa, wach auf. So wach doch auf!“
Alles passierte im gleichen Moment. Das als Zeltdach gespannte
Segel wurde entfernt, ich erwachte aus meinem Traum und ich bekam einen Tritt. Mochte gar nicht darüber nachdenken, von wem. War ich denn ein Tier? Was war das für ein seltsamer Traum - hatte doch meine Tochter noch nie im Traum zu mir gesprochen.
Mir war immer noch kalt und ich fühlte mich sehr schwach. Wahrscheinlich war das Aufrichten des Mastes, bei dem ich heute Morgen in aller Frühe helfen musste, zu anstrengend für mich. Jetzt kam Flö auf mich zu, wieder begleitete ihn die gepflegt aussehende Person. Er hatte mir schon an meinem ersten Tag auf die Beine geholfen, kurz bevor ich das erste Mal den Bugsteven erblickte. Irgendwie machte er auf mich einen lehrhaften Eindruck. War er vielleicht so etwas wie Flös Lehrer? Er kam sehr nahe an mich heran und machte sich an meinem Halsverband zu schaffen. Erschrocken hielt er inne und redete auf den Jungen ein. Sollte ich mir jetzt Sorgen machen, noch mehr als bisher? Ich war doch schon in einem Albtraum, nur weckte mich niemand daraus. Flö und sein Begleiter drückten mich zu Boden, was war los? Jetzt brachte man mir sogar noch Felle und Flö war irgendwie außer sich, was schrie er nur den Roten so an?
Ein Kind brüllte diesen Hünen an und der kuschte. Was für eine
seltsame Welt. Selbst Björn schaute mich sorgenvoll an. Jedenfalls interpretierte ich seinen Gesichtsausdruck so. Ich lag jetzt sehr weich, die Sonne schien alle auf dem Schiff zu wärmen, nur mich nicht. Flös Begleiter sprach zu mir, fragend schaute ich ihn an. Er schloss kurz seine Augen, schaute mich
dann wieder an und sagte, wobei er auf sich selbst zeigte:
  „Lisias.“ Dann schmierte er mir eine undefinierbare Paste auf meine Halswunde und wechselte den alten Stoffverband aus.

Wenn es mir jetzt nur nicht so schwer fallen würde zu sprechen, dann hätte ich mich gerne bedankt. Aber ich hatte das Gefühl, als würden mir die Kräfte mehr und mehr schwinden. Ich war so
müde und der Tag hatte erst begonnen. Nur undeutlich bekam ich noch mit, wie Lisias und Flö sich unterhielten, wobei Flö ständig zwei Worte wiederholte: „Bui“ und „Iona“.

Durch einen Schlag in den Rücken erwachte ich. Ich lag immer noch auf meinem Lager und der Schlag kam dieses Mal nicht vom Roten, sondern vom Schiff selbst. Die Wellen mussten etwas höher geworden sein, denn das Schiff lag unruhig im Wasser. Ich fühlte mich nicht gut, hatte den Eindruck, dass ich fieberte. Erneut war ich auf Lisias Hilfe angewiesen, er musste mir helfen, mich etwas aufzurichten. Ja, mit dem Rücken am Mast, so ging es. Ich wollte ihm danken, aber meine Stimme versagte und der Hals war dick und schmerzte. So saß ich einfach nur da und starrte Lisias an.

Selbst Lisias bemerkte den Asiaten nicht, der sich, einer Katze gleich, von hinten heranzuschleichen schien. Aber ich täuschte mich in ihm, denn Lisias streckte nur seine Hand aus, der Asiat stellte ein kleines Gefäß hinein und verschwand lautlos, wie er gekommen war. Lisias reichte mir das Gefäß, an dessen Boden in einer heißen klaren Flüssigkeit einige Blätter lagen. Lisias drückte mir den Becher an den Mund. Das Trinken fiel mir schwer, denn ich konnte nicht richtig schlucken.
Da kam mir eine Idee: Ich ließ meinen Oberkörper nach rechts fallen und schob etwas das Stroh zur Seite, bis ich auf den Holzrumpf des Schiffes stieß. Lisias wollte mir aufhelfen, aber ich konnte ihn mit letzter Kraft davon abhalten und hielt ihn zusätzlich am Arm fest. Ich wollte von ihm etwas wissen, was mich trotz meiner Schmerzen beschäftigte. Jetzt nahm ich den Becher ...

viking-Eine große Reise, ISBN:978-3-943596-06-9 P-Buch ab Montag, den 9.Juli im Handel für 12,90 Euro

Ab der kommenden Woche halten wir eine besondere Überraschung für Euch bereit.

Herzlichst eure Andrea el Gato

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