Freitag, 10. Februar 2012

Metapher, Vergleiche & Veranschaulichungen

Nach der unfreiwilligen Pause von gestern, starten wir heute in ein schönes Thema:

Metapher, Vergleiche & Veranschaulichungen
 
Wie oft sagen wir:
"Da kommt mir aber was spanisch vor."
"Ihr Gesicht glich einer Kalkwand."


Unbewusst nutzen wir hier weitere Fähigkeiten des menschlichen Gehirns. Zum einen verschmelzen bei einer Metapher zwei Bilder in einem Sinnzusammenhand. Im Vergleich dagegen malen wir ebenfalls Bilder und verstärken eine Aussage.

Vergleiche sind zum Beispiel:
Ihr Hosenanzug war so weiß, wie ... Schnee, herabfallende Kirschblüten ...
Seine Frisur ähnelte den Haaren von ... Einstein ...
Der Morgen roch nach ... frisch gewaschener Wäsche, frischem Kaffee und warmen Brötchen ...

Die Möglichkeiten sind unendlich.
 

Bekannte Metapher lauten:
Mir ist gestern das Herz in die Hose gerutscht.
Ach vergiß es, das ist doch Schnee von gestern.
Er hat ihr das Herz gebrochen.

Nichts von dem ist real geschehen, aber wir haben unbewusst ein Bild vor Augen.

In der Veranschaulichung geht der Autor noch einen Schritt weiter. Er macht abstrakte Dinge sichtbar. Um eine bestimmte Sache besser erläutern zu können, damit sie dem Leser länger im Gedächtnis haften bleibt, verpackt er die Weisheit in eine Veranschaulichung. 

In einem Beispiel möchte ich euch vorstehende Dinge  zeigen. W.Somerset Maugham schrieb in: "Aus meinem Notizbuch" das Stimmungsbild eines Tannenwaldes:

Zitat: Der Tannenwald war still und kühl, er passte zu meiner Stimmung. Die höhen Stämme, gerade und schlank wie Schiffsmaste; der zarte Wohlgeruch; das gedämpfte Licht; der purpurne Nebeldunst, so fein, dass man ihn kaum wahrnehmen konnte, nur wie ein Hauch von Wärme in der Atmosphäre - das alles gab mir wunderbare Ruhe. Meine Schritte in den braunen Nadeln waren geräuschlos, der Fuß trat weich und leicht auf. Der Duft erfüllte mich mit einschläferner Trunkenheit, wie orientalisches Rauschgift. Die Färbungen waren so weich, dass es unvorstellbar schien, wie Pinsel und Farbe sie hätten wiedergeben können: die Luft umhüllte alle Formen und löste ihre Umrisse auf. Eine angenehme, nicht mehr analysierbare Träumerei hielt mich gefangen, ein Gleiten in halb genießerischem Gefühl."

Wow. Riecht ihr das auch? Hört ihr das Rascheln der Nadeln unter seinen Füßen? Natürlich hätte er es auch einfacher schreiben können, aber wäre dann ein so romantisches Gefühl in uns entstanden?

Setzt euch einfach mal hin und notiert euch aus vorstehendem Zitat, welche Sinneswahrnehmungen ihr gefunden habt. Übt euch selbst, indem ihr auf einem Zettel einfach mal einige Metapher oder Vergleiche notiert. Dieser Zettel wandert dann mit in die Materialsammlung.
Viel Spaß dabei!

Wichtig ist natürlich folgender Rat: Weniger ist mehr!
Auf keinen Fall sollte der gesamte Roman nur aus Vergleichen und Metaphern bestehen. Bitte dosiert hier sorgfältig.



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