Mittwoch, 8. Februar 2012

Das erste der fünf Elemente des Schreibens - Beschreiben

In diesem Artikel möchte ich teilweise Kollegen zu Wort kommen lassen. Damit sich niemand meiner Leser angegriffen fühlt, werde ich bekannte und "große" Autoren zitieren.

Gestern schrieben wir vom Unterschied zwischen Bericht und Erzählung.
Hier ein Beispiel:
Das Schlafzimmer ist rechteckig und hat weiße Wände. In der Mitte steht ein Bett. An der Wand steht ein durchgehender Schrank. Vor dem Fenster hängt ein Vorhang. Auf dem linken Nachtschrank steht eine Leuchte, auf dem linken ein Kaktus. 
Auf dem Bett liegt eine blaue Decke, auf der sich eine Katze räkelt.

Welcher Leser findet diese Schilderung interessant? Spannend schon gar nicht. Das ist ein nüchternes Aufzählen von Tatsachen. Wichtiger ist, dass der Autor zu dem, was er schreibt einen Bezug findet. Der Autor stellt klar, was er liebt, was er hasst und was sein Herz berührt.

Beschreiben ist ein Schreiben mit allen Sinnen. 

Kurz und knapp ist damit alles gesagt, aber Halt, ist es das wirklich?

Welche Sinne stehen uns zur Verfügung?
Sehen
Hören
Riechen
Schmecken

Mir machte neulich eine Rezensentin eines der größten Komplimente, die ein Autor erfahren kann. Sie schrieb: "Das Buch nimmt an Fahrt unbeschreiblich auf und ich habe mich verloren in den Weiten Kanadas, habe gerochen, was Andrea El Gato beschreibt, habe es geschmeckt und vor meinem Auge genau sehen können. Ich hatte Hunger und ich habe mitgefroren, mir taten alle Knochen weh und ich habe geweint. Ich habe die Vögel gehört und das Plätschern des Wassers, war fassungslos und wütend ob der Unverfroren- und Hinterlistigkeit.
Ich habe mich verliebt, in Emma und Gui-k'ate."

Nehmen wir als Beispiel Isabell Allende in "Geisterhaus"

"Durchs Fenster des Zuges sah er die Landschaft des Haupttals an sich vorüberziehen, große Felder am Fuß der Kordilleren, üppige Weingärten, Getreide, Alfalfa, Maravilla. Er verglich sie mit den unfruchtbaren Ebenen im Norden, wo er zwei Jahre lang in einem Loch inmitten einer wilden, mondhaften Natur gelebt hatte, an deren schrecklicher Schönheit er sich nicht hatte satt sehen können, fasziniert von den Farben der Wüste, den Blautönen, dem Violett, dem Geld, den offen zutage liegenden Erzen."

Die Haupteigenschaft hier liegt auf dem Sehen. Isabell Allende hat einen Vergleich eingebaut, Farben, Namen der Pflanzen und den Namen der Gegend. Also kommen hier noch zusätzlich zum Sehen, Details hinzu, die vor dem Leser ein Bild entstehen lassen.

In einer Szene im "Portrait in Sepia" legte Isabell Allende eher Augenmerk auf einen weiteren Sinn: Hören

"Ich wurde im ersten Morgenlicht geboren, aber in Chinatown gehen die Uhren anders, und um diese Stunde fängt das Handelsgeschäft an, rumpeln unablässig die Lastkarren durch die Straßen, tönt aus den Käfigen das traurige Jaulen der Hunde, die auf das Messer des Kochs warten."

Läuft es euch nicht eiskalt den Rücken herunter, wenn ihr das lest? Sie schreibt nicht einfach: Ich wurde am 7.Mai um fünf Uhr geboren. In Chinatown beginnt um diese Zeit das Handelsgeschäft, es fahren Lastwagen die Straßen herab.

Nein, das Verb "rumpeln", verstärkt die Handlung. Das traurige Jaulen der Hunde rührt unser Herz. 

Genauso könnt ihr mit den anderen Sinnen verfahren.

Beschreibt, was ihr riecht oder wie etwas schmeckt. Übt euch darin, aufmerksamer durchs Leben zu gehen, und diese Dinge zu notieren. Denkt ans Klauen mit Augen und Ohren.

Oft sind die kleinen, feinen Details, die das Interessante an einer Geschichte ausmachen. Der kleine Leberfleck an der linken Wange, die blühende Amaryllis, der rote Henkeltopf mit der abgestoßenen Stelle. Übt euch im Wahrnehmen von Details. 

Ihr könntet gerade jetzt in der Kälte einen Spaziergang unternehmen und euch hinterher an eurem Schreibtisch setzen und eure Eindrücke schildern. Wie fühltet ihr euch? Wie roch es? Was hörtet ihr? Begegnete euch jemand? Wie sah er aus? War seine Nase rot gefroren? Lief der Schnodder? Waren seine Hände kalt? Was hatte er für Schuhe an? Wie fühlte es sich an, als ihr unterwegs an einer Bäckerei vorbeikam, aus der der Duft frischen Gebäcks herausquoll?

Ihr merkt sicher, diese Liste ließe sich fortführen.
Aber für heute reicht das vollkommen.

Morgen üben wir uns einem weiteren wichtigen Punkt zum Thema Beschreiben. Und zwar den Vergleichen, Veranschaulichen, Metaphern


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