Sonntag, 11. März 2012

Himmelhochjauchzend zu Tode betrübt

Wer kennt das nicht?
 
Ich leide nicht unter Stimmungsschwankungen, obwohl man das oft Frauen meines Alters nachsagt. Dennoch möchte ich heute näher auf ein Krankheitsbild eingehen, was
"Dissoziative Identitätsstörung" heißt. Früher wurde dies auch "Multiple Persönlichkeitsstörung" genannt. Neulich stolperte ich in einem meiner sozialen Netzwerke über eine multiple Person. Es nötigte mir großen Respekt ab, dass sich die Person offen outete. Dann fiel mir das Buch von Truddi Chase "Der Aufschrei" ein, das ich vor einiger Zeit gelesen hatte.
 
Und nun schreibe ich euch, was mich beschäftigt.

DIS - so lautet die Abkürzung - ist leider keine so seltene psychische Erkrankung. Sie wird in 95 von 100 Fällen durch häusliche Gewalt, Mißhandlung und Mißbrauch ausgelöst. In den meisten Fällen sind Mädchen davon betroffen. 

Die Seele eines Kindes ist rein und unverdorben, voll von Urvertrauen seiner Familie gegenüber. Wenn jemand aus diesem engen Umfeld das Urvertrauen mißbraucht, Grenzen überschreitet, dem Kind wehtut, dann fängt die Persönlichkeit an, sich zu teilen. Unser menschlicher Organismus hat viele Schutzfunktionen erfunden und diese, ist eine besondere. Das innere Kind, der Kern wird quasi nach hinten geschoben, er wird beschützt. Es entstehen Persönlichkeiten, die Aufgaben übernehmen, wie zum Beispiel zu trösten oder den Mißbrauch zu ertragen. Eine der Persönlichkeiten nimmt Aufgaben nach außen wahr. Das ist dann die, die wir kennen und mit der wir Nichtmultiplen reden. Aber hin und wieder drängt auch eine der anderen Persönlichkeiten nach außen. Dann kann es durchaus geschehen, dass wir beim letzten Treffen Pink Floyd gemeinsam hörten und super toll fanden und beim heutigen Treffen angemault werden, dass Pink Floyd ja das Allerletzte sei.
Wir erleben Überraschungen, "Stimmungsschwankungen", Ausbrüche, mit denen vielleicht ein Teil von uns nicht umgehen kann.

Früher waren sich Psychologen sicher, dass sich die unterschiedlichen Persönlichkeiten nicht kannten. Zum Glück schreitet auch hier die Entwicklung voran und viele Aussagen wurden revidiert. Wenn der Mediziner DIS diagnostiziert, wird heute auch nicht mehr mit Macht und Gewalt versucht, die Persönlichkeiten zu vereinen. Stattdessen wird versucht die Persönlichkeiten miteinander bekannt zu machen und einen gemeinsamen Weg zu finden.

Bei Truddi Chase sah es ganz schlimm aus. Jahrelang lebte sie in eine Art Dämmerzustand. Sie war verheiratet, hatte eine Tochter, war sogar erfolgreiche Unternehmerin. Aber da gab es etwas, was ihr immer Sorgen bereitete. 

Ihre Träume. Ständig blieben alle ihre Uhren stehen, es brannte Licht in ihrer Wohnung und in ihrer Handtasche fanden sich seltsame Zettel.

Kein Psychater konnte ihr helfen, bis sie dann auf den Therapeuten traf, der die Woge ins Rollen brachte.
Er erkannte relativ zeitig, dass in Truddi mehrere Persönlichkeiten lebten. Im Laufe der Jahre trauten sich immer mehr heraus, so dass er am Ende 92 Persönlichkeiten zählte.

Stellt euch das einmal vor!! 92 Persönlichkeiten in einem Menschen.  Aber in ihrem Fall war das irgendwie auch verständlich, denn was ihr geschah, war grausig.

Aber wieso kann einem Kind so etwas überhaupt geschehen?
Wie kommt es, dass auch heute Kinder mißhandelt und mißbraucht werden und niemand etwas merkt?
Wieso schauen wir weg?

Es gibt viele Formen der Mißhandlung. 
Kinder werden geschlagen. Das ist die einfachste, weil sichtbarste Art. In der Regel greifen hier die Ämter relativ schnell ein.
Die unsichtbaren sind in meinen Augen viel schwerwiegender. Einem Kind Liebe vorzuenthalten ist genauso Mißhandlung, wie ihm zu sagen, wie wertlos es sei. Aber das sieht niemand. Wir sollten aber die Hilfeschreie des Kindes wahrnehmen. Wenn sich ein fremdes Kind an uns kuschelt, weil es sonst nirgendwo sonst menschliche Wärme erfährt. Wenn das Kind nicht soooo gern nach Hause möchte, weil es dort allein vor dem PC oder Fernseher sitzt.
Wir sollten nicht wegschauen, wenn Nachbars Kinder offenkundig verwahrlost aussehen und zu unmöglichsten Zeiten zum Spielen gehen.

Die schlimmste aller Arten aber ist, ein Kind sexuell zu mißbrauchen. Hier liegt es wieder an uns, an jeden einzelnen von uns, hinzuschauen.
Menschliche Kälte, Einsamkeit, Hass, Neid, Eifersucht, Hektik im Alltag ... all diese Dinge sind es aber, die uns wegsehen lassen.

Bitte lernt hinzusehen, Kinder sind nun einmal unsere Erben. Und es gibt nicht mehr so viele davon in Deutschland!

Ein kleines Mittel, um gegen die menschliche Kälte vorzugehen, ist Kabischubi.
Er zeigt wie wichtig Liebe, Vertrauen und Zusammengehörigkeitsgefühl sind. Seltsamerweise haben bislang auch fast nur Erwachsene dieses, als Kinderbuch deklarierte, Buch gelesen.
Mir zeigen die Analysen einmal mehr, dass viele Erwachsene hilf- und ratlos sind. Kabischubi gibt mit seiner liebevollen, witzigen Art auf viele Fragen eine Antwort.
Kabischubi und die Herzsteine
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