Ihr habt so fleißig gevotet und euch letztendlich für das Cover Nummer Eins entschieden, dass ich euch heute die Leseprobe nicht vorenthalten möchte.
Der Duft der Maiglöckchen von Heidrun Böhm wird ab den 3.Mai 2012 im Handel erhältlich sein.
Der Duft der Maiglöckchen von Heidrun Böhm wird ab den 3.Mai 2012 im Handel erhältlich sein.
Leseprobe:
Es war nicht so, wie es schien. Kommissar Berger hatte seinen
Beruf geliebt. Er konnte nichts daran ändern, dass seine Mundwinkel nach unten hingen, unter seinen blauen Augen schwarze Schatten lagen und seine Stirn tiefe Falten aufwies. Er hatte immer so ausgesehen. Nur seine ehemals braune Lockenpracht wich einem spärlich grauen Haarkranz, der heute sein Haupt bedeckte. Er war Single, da er nie auf den Gedanken gekommen war, zu heiraten. Frauen hatten für ihn etwas Rätselhaftes, Mystisches an sich. Er hatte nicht gelernt, damit umzugehen und wollte es nicht mehr lernen. Er war auch so gut zurechtgekommen.
Nun war er fünfundsechzig Jahre alt, pensioniert und konnte
seinen Ruhestand genießen. Er hatte sich ein kleines, weiß verputztes Häuschen mit grünen Fensterläden und einem roten
Ziegeldach gekauft. Das Häuschen lag nur ein paar Hundert Meter vom Waldrand entfernt. Es gab darin eine Küche, ein
Wohnzimmer, ein Schlafzimmer und ein Gästezimmer. Das
Gästezimmer war genau genommen überflüssig. Besuch erwartete er sowieso keinen. Er hatte weder Freunde noch Verwandte. Aber er konnte in diesem Zimmer seine alten Akten aufbewahren, in denen er immer wieder gerne stöberte. Und das Wandern lag ihm im Blut. Dafür war Schrobenheim ein ausgezeichnetes Fleckchen Erde. Berger liebte es, durch die Wälder zu streifen und die klare Luft einzuatmen. Er liebte den
Geruch der Tannennadeln und die Stille in den Wäldern. Dem
Rauschen der Blätter im Wind und dem Gesang der Vögel
konnte er stundenlang zuhören.
An einem herrlichen Maitag machte er sich auf den Weg in den
Wald. Er hatte sich vorgenommen, den ganzen Tag zu wandern.
Berger schritt kräftig aus. Bald würde er den Waldrand erreicht
haben. Die Glocken der nahen Kirche schlugen neunmal, der
Wind war mild und streichelte seine Wangen. Fröhlich pfiff er eine kleine Melodie, die er schon seit seiner Kindheit kannte:
„Das Wandern ist des Müllers Lust.“ Er erinnerte sich noch gut
an den Tag, an dem er dieses Lied zum ersten Mal gehört hatte. Das war damals als …
Ein dumpfes Geräusch, das aus dem Wald kam, durchdrang
die Stille. Berger zuckte zusammen. Das war ein Schuss gewesen!
Auch wenn er nicht mehr im Dienst war, reagierte er unweigerlich so, wie es ihm seine jahrelange Berufserfahrung
eingab. Er rannte los so schnell er konnte und tastete dabei
nach einer Waffe, die er natürlich nicht dabei hatte. Dabei stolperte er über einen Maulwurfshügel, konnte sich eben noch abfangen bevor er auf die Nase fiel, und kam keuchend oben an.
Doch er war zu spät gekommen. Im Wald raschelte etwas. Berger sah eine kleine dunkelhaarige Frau, die eine Pistole in der Hand hielt, durch das Gehölz flüchten.
Dicht am Waldrand lag ein kleiner stämmiger Mann, der mit offenen blauen Augen in den Himmel starrte. Durch das weiße
Hemd sickerte Blut. Berger sah; der Schuss hatte ihn mitten ins Herz getroffen. Da war nichts mehr zu retten. Er kannte die Einwohner von Schrobenheim nicht alle. Aber Gernot Winter, der hier vor ihm auf dem Boden lag, den hatte er gekannt. Die
Dame mit der Pistole musste die Frau aus Polen sein, die seit
einiger Zeit Gernot Winters zweite Gattin gewesen war. Entsetzt musterte er die Leiche und überlegte sich, ob er der Frau folgen sollte. Aber er stand wie festgewachsen im Gras. Etwas Unbestimmbares, das er nicht greifen konnte, hinderte ihn daran. Tatsache war, auch Herr Winters erste Frau Barbara hatte versucht, ihren Mann zu ermorden. Sie war verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Trotz ausführlicher Recherchen war sie nicht gefunden worden.
Berger hielt es sogar für möglich, dass ihr Mann sie getötet
hatte. Man musste mit allem rechnen. Die Menschen waren
schlecht und verdorben. Und das war ein Fall, den er nie gelöst
hatte. Er würde ihn bis zu seinem Ende beschäftigen. Denn für ...
Der Duft der Maiglöckchen von Heidrun Böhm ISBN: 978-3-943596-05-2 9,90 Euro Vorbestellen

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