Dienstag, 19. Juni 2012

viking-Eine große Reise





Noch ist das Cover nicht fertig, aber ich bin sicher, dass unser Designer Markus Erkens etwas Tolles basteln wird. Vor allem, mit dieser tollen Vorlage vonseiten des schottischen Künstlers Alasdair Urquhart

Sehr ihr den Schwanenkopf am Bug des Schiffes? Er spielt eine tragende Rolle im Roman und ich möchte euch heute eine kleine Kostprobe präsentieren.

Leseprobe: viking-Eine große Reise von Ted Lindsay

Jetzt erst bemerkte ich den Jungen. Er stand neben dem Hünen und trug die gleichen Stiefel, nur viel kleiner. Ich konnte ihn kaum einschätzen, aber älter als vierzehn Jahre war er sicher nicht. In der linken Hand trug er eine Fackel, mit der rechten zeigte er auf mich. Er redete mit mir. Ich verstand seine Sprache nicht, er sprach nicht englisch. Es hörte sich auch nicht gälisch an, wie in den Gesprächen, denen ich am ersten Abend in der Bar meines Hotels gelauscht hatte, ohne auch dort nur ein einziges Wort zu verstehen. Aber ich erkannte ihren Klang. Es war die gleiche Stimme, die noch gerade eben einen ausgewachsenen Mann veranlasste, seine Klinge von meinem Hals zu nehmen; die Stimme eines Kindes.

Er kam einen Schritt näher, redete weiter mit mir, mit der gleichen Wortfolge, die ich schon davor bereits nicht verstand, nur fordernder.
  „Junge, ich verstehe dich nicht“, lauteten meine ersten gesprochenen Worte. Die beiden Ruderer bewegten sich nicht mehr, plötzlich war es still, sehr still. Selbst die hünenhafte Gestalt wich einen kleinen Schritt zurück, hob allerdings dabei bedrohlich ihre Klinge. Nur der Junge stand immer noch dort. Lächelte er? Wieder erklang seine Stimme, die gleichen Worte, nur zeigte er nicht mehr direkt auf mich, sondern auf meine Schulter. Ich schaute ihn fragend an, was wollte er? Er kam näher, stand direkt neben mir. Jetzt hörte ich den Hünen sprechen und auch er kam bedrohlich näher. Ich fühlte Angst in mir aufsteigen. Jedoch hob der Junge plötzlich seine Hand, als würde das den Hünen von mir abhalten. Aber genau das passierte. Der Große blieb stehen. Sah der Junge die Angst in meinen Augen? Er kniete vor mir, seine Hand berührte jetzt meine Schulter und wieder sprach er den gleichen Satz. Ich schaute ihn an, sein Gesicht war genau vor meinem und ohne Furcht. Er tippte ungeduldig auf meine Schulter, immer wieder die gleiche Stelle. Was wollte er? Ich schaute hin.

Mein Tattoo, er tippte auf mein Tattoo. Schon lange hatte ich es vergessen; eine Jugendsünde. Jahre nachdem mein Vater auf einem Segeltörn verschwunden war, machte ich einen kleinen Bootsausflug, nur drei Tage, auf einem Segler im Ijsselmeer. Wollte so fühlen wie er, ihm näher sein. Kurzum, in Amsterdam sah ich dieses Motiv, mir gefiel es damals und so ließ ich es mir dort von einem Tätowierer stechen: Ein Schwan, der einer Krone entsteigt.

Fordernder holte mich der Junge aus meinen Gedanken zurück, eindringlicher klangen seine Worte. Ich schaute ihm in die Augen; blau. Ein unglaubliches Blau erblickte ich im Schein seiner Fackel. Ungewöhnlich im Vergleich mit den Augen der anderen Männer, in deren Gesicht ich bisher blicken musste.  
  „Ja, ein Tattoo, was ist damit?“ Jetzt tippte ich selbst darauf. Der Junge wich zurück, hatte ich ihn verschreckt? Aber nein, ich glaubte nicht. Wollte er mir etwas zeigen? Er wechselte die Fackel in die rechte Hand und ging noch einen Schritt Richtung Schiffsbug. Jetzt war er aus meinem Blickwinkel verschwunden. Ich kauerte immer noch auf dem Boden und merkte erst jetzt, wie mein Bein, die Knie und der Rücken schmerzten. Ganz abgesehen von meinem geschwollenen Gesicht, was sich eigenartigerweise  sehr taub anfühlte. War es die Kälte? Langsam versuchte ich mich ein wenig aufzurichten. Die anderen Männer verharrten.

Jetzt erst merkte ich, dass ich völlig unbekleidet war. Ich war zu verwirrt, um mich zu schämen, aber auch der Schiffsbesatzung schien es nichts auszumachen. Ich schaute mich an und bemerkte, dass ich aus mehreren kleinen Wunden blutete, auch am Hals. Hatte das Schwert mich geschnitten?

Erneut versuchte ich mich aufzurichten, um mich dem Jungen zuzuwenden. Es ging nicht, ich war einfach zu schwach. Der Junge sprach, nicht zu mir, sondern in Richtung Bug. Jemand kam von dort auf mich zu, sehen konnte ich ihn erst, als er sich zu mir hinab beugte und mir beim Aufstehen behilflich war. Er sah ganz anders aus, als die Männer, in deren Gesichter ich bisher blickte. Er schien mir sehr gepflegt mit kurzem, pechschwarzem Haar. Er sprach mit mir, aber auch ihn verstand ich nicht, obwohl mir der Klang der Sprache vertrauter schien. Ich stützte mich auf ihn und machte sogar ein, zwei Schritte direkt auf den Jungen zu, den ich gut um zwei Köpfe überragte. Er sprach wieder den gleichen Satz und zeigte zugleich auf mein Tattoo. Dann nahm er meine Hand und ich schaute in seine Augen, deren Blau mich immer noch verwirrte. Er redete langsam, fast fragend, und er erwiderte meinen Blick - keine Furcht. Ich wurde das Gefühl nicht los, als würde ich in seinem Gesicht einen unauslöschlichen Fragedurst erkennen. Dann hob er seine Fackel nach vorne, Richtung Schiffsbug. Mein Blick folgt seiner Bewegung und was ich im Lichtschein erkannte, konnte nicht wahr sein, war unglaublich!


So dann alles klappt, wird das Buch Ende des Monats erscheinen. ISBN:978-3-943596-06-9   12,90 Euro

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