Posts mit dem Label kleine Schreibschule werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label kleine Schreibschule werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 23. Februar 2012

Attraktive Sprache - Teil 3

Rhythmus und Klang

Gerade in der Lyrik sind obige Begriffe von absoluter Wichtigkeit. Wer mich kennt weiß, dass ich nicht unbedingt ein Faibel für die Lyrik habe, was jedoch nichts mit diesem Thema zu tun hat. Auch in der Belletristik muss der Autor mittels Rhythmus und Klang Stimmungen erzeugen und Bilder malen.

Dunkle Vokale, wie a, o, u betonen ruhige, aber auch finstere Stimmungen. Helle Vokale, wie e und i betonen heitere, manchmal auch erregte Stimmungen.

Der bekannte amerikanische Dichter Edgar Allan Poe hat in einer kompletten Abhandlung begründet, warum er seine Ballade "Der Rabe" in jeder Strophe mit dem Reimwort "Nevermore" ausklingen ließ: Das ständig sich wiederholende dumpfe O betont den düsteren Charakter.

Gleichzeitig kennen wir alle beschwingte Werbesprüche, wie zum Beispiel: "Red Bull verleiht Flüüügel" oder "Ei, Ei, Ei Verpoorten - allerorten Verpoorten"

Ein sehr gelungenes Beispiel findet ihr in Joseph von Eidendorffs "Aus dem Leben eines Taugenichts". Holt euch das Buch aus der Bibliothek und lernt von einem gestandenen Schreiberling, über den ein weiterer Kollege sagte:
"Sein Lieblingswort ist rauschen, aber er spricht nicht nur davon, sondern in seinen Sätzen rauscht es wirklich und es sind die einfachsten Mittel, mit denen er das zustande bringt."

Lasst uns noch einmal zusammenfassen:

- Jeder Autor sollte an der Erweiterung seines Wortschatzes arbeiten. Benutzen wir Wörterbücher und Karteikarten dazu.
- Schreibt klar und einfach!
- Achtet auf Rhythmus und Klang!
- Lest eure Texte laut, damit ihr die Harmonie in euren Sätzen wahrnehmt.
- Vermeidet allgemeine, nichtssagende Ausdrücke, sondern versucht den besonderen zu finden. Verstärkt eure Sätze durch ausdruckskräftigere Verben!
- Erspart den Lesern komplizierte Fachausdrücke!

Beenden möchte ich diesen kleinen Kurs mit einem Zitat von James Krüss aus "Henriette Bimmelbahn"
"Henriette steht so lange auf dem Bahnhof, wie sie mag. Und so steht sie dort auch heute an dem schönen Sommertag. Doch dann pfeift sie und sie bimmelt, rattert, knattert, dampft und faucht, ruckelt, zuckelt, klappert, plappert, bebt und bibbert, rollt und raucht."

NOEL
Das Kinderbuch zum Vorlesen und Ausmalen
978-3-943596-01-4
7,99 Euro

Mittwoch, 22. Februar 2012

Attraktive Sprache - Teil 2

Nachdem ihr gestern eine gute Übung zur Erweiterung eures Sprachschatzes hattet, möchte ich das Thema heute noch etwas vertiefen.

Es gibt auch die Autoren, die unbedingt zeigen wollen, was sie können. Die Autoren, die beweisen wollen, dass sie gebildet sind, sich von der breiten Masse abheben und mit allerlei Fremdwörtern um sich schmeißen.

In bestimmter Literatur mag das so auch ganz in Ordnung sein. Frank Schätzing, zum Beispiel, verfügt über einen sehr großen Sprachschatz, den er auch in seinen Büchern mitteilt. In "Nachrichten aus einem anderen Universum" waren diese notwendig und wichtig, konnte er die Ergebnisse seiner Recherchen zu "Der Schwarm" nur in einem Sachbuch entsprechend vermitteln. Das Buch "Limit" dagegen hat zahlreiche Kritiken ob der doch etwas geschwollenen, ausschweifenden und teilweise referierenden Ausführungen kassieren müssen.

Als Autor sollte ich mir daher ganz genau meine Zielgruppe überlegen. Ein guter Sprachschatz bedeutet nicht automatisch, ein Sprachschatz gespickt mit Fachausdrücken. Der Leser möchte auf der Couch, im Bett, am Strand oder in der Bahn lesen und hat sicher an diesen Orten kaum Gelegenheit ein Wörterbuch zu Rate zu ziehen.

Daher gebe ich euch den Tip, dass ihr bei euren Ausführungen auf eine einfache und verständliche Sprache achtet. Vermeiden wir Silbengekringel und gestelzte Formulierungen, wenn wir unseren Leser nicht langweilen wollen. Überraschen wir stattdessen unseren Leser mit unverbrauchten Bildern. Lernen wir von literarischen Vorbildern.
Dazu empfehle ich folgende Übung:

Sucht in eurem Bücherregal ein oder mehrere Bücher heraus. Sucht euch insgesamt fünf Abschnitte, die ihr abschreibt, scannt oder wie auch immer. Es sollten Abschnitte sein, bei denen ihr denkt, dass hier der Stil des Autors am Stärksten hervorsticht. Wichtig ist, dass diese Abschnitte vor euch liegen. Danach sucht ihr nach den Wörtern, die ihr selbst niemals benutzt hättet. Schlagt anschließend im Wörterbuch die Bedeutungen nach.
Ihr werdet merken, dass diese jetzt mühselig klingende Übung Spaß macht. Und mit der Freude kommt automatisch die Erweiterung eures Sprachschatzes.

Morgen sprechen wir über Rhytmus und Klang, ein Thema, was vor allem in der Prosa große Bedeutung hat.



Abschließend möchte ich noch einmal auf die Lieferschwierigkeiten der Barsortimenter und Amazon zurückkommen. Leider hat Umbreit erst vor zwei Tagen bestellt, Libri bereits letzte Woche, Amazon wird noch bis kommende Woche brauchen, bis die Bücher im System eingepflegt sind. Die sind leider mega lahm.

Daher biete ich jedem Kunden die Möglichkeit, direkt im Verlag über bestellung (at) traumstunden-verlag.com
zu bestellen. Ausgeliefert wird über Runge VA.


Dienstag, 21. Februar 2012

Wie gelingt uns eine attraktive Sprache

Autoren stoßen im Lektorat öfter auf die Aufforderung: "stärkeres Verb wählen" oder "Ausdruck verstärken".

Wieso schreibe ich das?
Wie ich bereits mehrfach geschrieben habe, sollte der Autor beim Leser ein Bild erzeugen.

Ein Beispiel:
Der alte Mann ging über die Straße.
An diesem Satz ist nichts verkehrt. Aber er ist farblos, nichtssagend.

Was passiert bei euch, wenn der Satz wie folgt lautet:
Der alte Mann schlurfte mühsam, sein linkes, von Schmerzen gepeinigtes Bein, hinter sich herziehend, über die Straße.

Hier entsteht ein bestimmtes Bild. Das Bild eines alten Mannes, wie er sich mühsam über die Straße quält. Ein Bild, was uns tagtäglich im Alltag begegnet.
oder
Der alte Mann huschte im fahlen Dämmerlicht über die stille Seitenstraße, die Schatten der Hauseingänge stets im Auge behaltend.

Hier erscheint ein ganz anderes Bild. Die Begriffte: Dämmerlicht, fahl, still, dunkle Hauseingänge suggerieren eine gewisse Heimlichkeit, die durch das Verb huschen verstärkt werden.

Oft beschreiben Autoren falsche Emotionen. Ihnen fehlt also das richtige Wort, das Wort, das die Erzählung vorantreibt, sie attraktiv macht.
Natürlich sind allgemeine Ausdrücke bequem, weil ständig parat. Bauen wir doch an unserem Wortschatz, indem wir ihn durch die passiven Wörter erweitern, die in unserem Gehirn schlummern. Das sind die Wörter, die wir zwar kennen, aber nie oder selten nutzen.

Ich hatte euch gestern eine Übung versprochen, auf gehts!
Nachstehend schreibe ich 20 Wörter auf und zu jedem Wort verschiedene Begriffsmöglichkeiten. Bitte sucht im Wörterbuch, welche der Erklärungen dem Begriff am nächsten kommt. Wenn ihr euch sicher seid, geht das natürlich auch ohne Wörterbuch.

1) Anschein - Anspruch, Aussehen, Störung, Verheimlichung
2) geneigt - unwillig, bereit, freudig, straff
3) Nachwelt - Folgeerscheinung, Abkömmling, Nachwirkung
4) reduzieren - missachten, verführen, vermindern, entfernen
5) pudelwohl - prächtig, dick, gutgelaut, robust
6) Sympathie - Verhängnis, Mitgefühl, Krankeitsursache, Zuneigung
7) Konzept - Vertrag, Musikstück, Entwurf, Meinung
8) abstinent - dreist, unerbittlich, enthaltsam, aufdringlich
9) latent - altertümlich, geduldig, riesengroß, verborgen
10) passiv - verlogen, lebhaft, untätig, leidenschaftslos
11) brünett - gebräunt, kess, dunkelhaarig, abweisend
12) Kategorie - Klasse, Mischung, Kartei, Forderung
13) artikulieren - geziert reden, buchstabieren, deutlich aussprechen, fordern
14) joval - eiförmig, gönnerhaft, elegant, massig
15) insistieren - zugeben, einsetzen, nachdrücklich beharren, beleidigen
16) verfänglich - streitsüchtig, heikel, taktlos, rüde
17) demontieren - abwerten, protestieren, vorführen, abbauen
18) dementieren - verpetzen, irre reden, verdauen, widerrufen
19) skurril - grillenhaft, lärmend, verschnörkelt, wunderlich
20) Potpourri - Mixtur, musikalisches Arrangement, eingemachtes Obst


War nicht schwer oder?

Was haltet ihr davon, wenn ihr jetzt noch ein wenig weiter in die Tiefe geht? Sucht euch zehn Wörter aus den oben genannten aus und sucht aus einem Wörterbuch oder aus dem Synonymwörterbuch Begriffe heraus, durch die diese Wörter ersetzt werden könnnten.
So erweitert ihr poco a poco euren eigenen Wortschatz.

Die Quintessenz des heutigen Beitrages sollte für euch also sein, dass Geschichten lebendiger und somit attraktiver werden, wenn ihr den passenden Ausdruck oder das richtige Wort findet. Benutzt Wörterbücher, schreibt euch Begriffe auf Karteikarten und sucht die Bedeutungen heraus.


Eine wichtige Neuigkeit möchte ich gleich noch mit auf den Weg bringen:
Ab sofort hat das Verlagshaus Traumstunden eine eigene Fanpage bei Facebook. Wir freuen uns über jeden, der den "gefällt mir" Button drückt und so die Lesergemeinschaft verstärkt.

"Kabischubi und die Herzsteine" schlägt sensationell auf dem deutschen Buchmarkt ein, aber leider haben die Grossisten derzeit Schwierigkeiten alle Besteller zu beliefern.
Gern nehmen wir alternativ Bestellungen unter bestellung (at) traumstunden-verlag.com
entgegen. Diese werden sofort ausgeliefert.

Montag, 20. Februar 2012

Unsere deutsche Sprache

In Vorbereitung auf diesen Blogbeitrag habe ich in meine aktuelle Dudenausgabe geblickt. Sie enthält 135.000 Einträge. Ein vollständiges Wörterbuch der deutschen Sprache enthält ungefähr 500.000 Einträge.

Nutzen tun wir jedoch im Schnitt nicht mehr als 60 - 100.000 Wörter. Eine herausragende Ausnahme stellte Goethe dar, dem ein Sprachwortschatz von mehr als 200.000 Wörtern nachgesagt wurde.

Mark Twain stellte fest: "Die größte Macht hat das richtige Wort zur richtigen Zeit."

Aber genau hier fängt die Schwierigkeit an.
Wir haben eine Geschichte im Kopf, komplett mit allem, was eine gute Erzählung ausmacht: unsere Figuren, der Konfikt oder das Drama, die Handlung und die damit verbundene Lösung.
Während ein Maler Pinsel und Farben, Hell und Dunkel benutzt, um seine Gedanken aufs Papier zu bringen, haben wir, die Schreibenden, die Macht des Wortes.
Jeder von uns kennt Behördenbriefe. Einfach gruselig. Verklausuliert, verschachtelt ... unverständlich.
Der schwäbische Dichter Thaddäus Troll hat hierzu eine herrliche Parodie aufgeschrieben, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Zitat: "Bewusste Person ist eine als hierorts wohnhafte, noch unbeschulte Minderjährige, aktenkundig erfasst, welche durch ihre unübliche Kopfbedeckung gewohnheitsmäßig Rotkäppchen genannt zu werden pflegt. Der Mutter besagter R. wurde seitens ihrer Mutter ein Schreiben zustellig gemacht, in welchem dieselbe Mitteilung ihre Krankheit und Pflegebedürftigkeit machte."

Alles klar?

Natürlich kommt es auch auf unsere Zielgruppe an. Während der Autor in einem Kinderbuch eher schlichte, einfache Wörter verwendet, wird er in einem Roman durch den treffenden Ausdruck neugierig machen.

In der Regel ist das kurze, ungekünstelte, einfache Wort am wirkungsvollsten. Auch wenn ich als Autor vielleicht 150.000 kenne, kann ich dies nicht von meinem Leser erwarten. Aber eine einfache Sprache wird von den meisten Menschen verstanden. Zu einfach sollte sie nun aber auch wieder nicht sein. Hier fängt nun die Kunst an.
Als Schreibende jonglieren wir mit der Sprache, wie der Künstler mit den Bällen. Je besser wir mit den einzelnen Wörtern jonglierenm je bildreicher, je klarer, umso besser kann der Leser unseren Ausführungen folgen.

In einem der vorherigen Blogbeiträge schrieb ich etwas von Teekesselchen. Ein deutsches Wort mit zwei Bedeutungen. Dazu gibt es noch die Bedeutungsnuance. Ich kann gehen, laufen, sprinten, hechten ... spürt ihr den Unterschied in den Bedeutungen?

Sprachforscher sagen, dass die deutsche Sprache eine der reichsten, farbigsten und zugleich anpassungsfähigsten Sprachen der Welt sei. Also nutzen wir sie.

Zum Glück stehen wir nicht allein.
Von Duden gibt es zahlreiche Hilfsmittel. Das Duden Fremdwörterbuch, das Duden Bedeutungswörterbuch, das Synonymwörterbuch, es gibt den Band 9: Richtiges und gutes Deutsch und Band 11: Redewendungen.

Ich möchte jetzt keine Werbung für Duden machen, aber so wie jeder Handwerker ordentliches Werkzeug benötigt, braucht ein Autor dies ebenfalls. Alternativ und kostengünstiger gibt es:
http://synonyme.woxikon.de oder
http://wortschatz.uni-leipzig.de/abfrage/

Morgen möchte ich euch eine Übung zu diesem Thema vorstellen, sowie die Frage beantworten: Was macht unsere Sprache attraktiv?


Freitag, 10. Februar 2012

Metapher, Vergleiche & Veranschaulichungen

Nach der unfreiwilligen Pause von gestern, starten wir heute in ein schönes Thema:

Metapher, Vergleiche & Veranschaulichungen
 
Wie oft sagen wir:
"Da kommt mir aber was spanisch vor."
"Ihr Gesicht glich einer Kalkwand."


Unbewusst nutzen wir hier weitere Fähigkeiten des menschlichen Gehirns. Zum einen verschmelzen bei einer Metapher zwei Bilder in einem Sinnzusammenhand. Im Vergleich dagegen malen wir ebenfalls Bilder und verstärken eine Aussage.

Vergleiche sind zum Beispiel:
Ihr Hosenanzug war so weiß, wie ... Schnee, herabfallende Kirschblüten ...
Seine Frisur ähnelte den Haaren von ... Einstein ...
Der Morgen roch nach ... frisch gewaschener Wäsche, frischem Kaffee und warmen Brötchen ...

Die Möglichkeiten sind unendlich.
 

Bekannte Metapher lauten:
Mir ist gestern das Herz in die Hose gerutscht.
Ach vergiß es, das ist doch Schnee von gestern.
Er hat ihr das Herz gebrochen.

Nichts von dem ist real geschehen, aber wir haben unbewusst ein Bild vor Augen.

In der Veranschaulichung geht der Autor noch einen Schritt weiter. Er macht abstrakte Dinge sichtbar. Um eine bestimmte Sache besser erläutern zu können, damit sie dem Leser länger im Gedächtnis haften bleibt, verpackt er die Weisheit in eine Veranschaulichung. 

In einem Beispiel möchte ich euch vorstehende Dinge  zeigen. W.Somerset Maugham schrieb in: "Aus meinem Notizbuch" das Stimmungsbild eines Tannenwaldes:

Zitat: Der Tannenwald war still und kühl, er passte zu meiner Stimmung. Die höhen Stämme, gerade und schlank wie Schiffsmaste; der zarte Wohlgeruch; das gedämpfte Licht; der purpurne Nebeldunst, so fein, dass man ihn kaum wahrnehmen konnte, nur wie ein Hauch von Wärme in der Atmosphäre - das alles gab mir wunderbare Ruhe. Meine Schritte in den braunen Nadeln waren geräuschlos, der Fuß trat weich und leicht auf. Der Duft erfüllte mich mit einschläferner Trunkenheit, wie orientalisches Rauschgift. Die Färbungen waren so weich, dass es unvorstellbar schien, wie Pinsel und Farbe sie hätten wiedergeben können: die Luft umhüllte alle Formen und löste ihre Umrisse auf. Eine angenehme, nicht mehr analysierbare Träumerei hielt mich gefangen, ein Gleiten in halb genießerischem Gefühl."

Wow. Riecht ihr das auch? Hört ihr das Rascheln der Nadeln unter seinen Füßen? Natürlich hätte er es auch einfacher schreiben können, aber wäre dann ein so romantisches Gefühl in uns entstanden?

Setzt euch einfach mal hin und notiert euch aus vorstehendem Zitat, welche Sinneswahrnehmungen ihr gefunden habt. Übt euch selbst, indem ihr auf einem Zettel einfach mal einige Metapher oder Vergleiche notiert. Dieser Zettel wandert dann mit in die Materialsammlung.
Viel Spaß dabei!

Wichtig ist natürlich folgender Rat: Weniger ist mehr!
Auf keinen Fall sollte der gesamte Roman nur aus Vergleichen und Metaphern bestehen. Bitte dosiert hier sorgfältig.



Mittwoch, 8. Februar 2012

Das erste der fünf Elemente des Schreibens - Beschreiben

In diesem Artikel möchte ich teilweise Kollegen zu Wort kommen lassen. Damit sich niemand meiner Leser angegriffen fühlt, werde ich bekannte und "große" Autoren zitieren.

Gestern schrieben wir vom Unterschied zwischen Bericht und Erzählung.
Hier ein Beispiel:
Das Schlafzimmer ist rechteckig und hat weiße Wände. In der Mitte steht ein Bett. An der Wand steht ein durchgehender Schrank. Vor dem Fenster hängt ein Vorhang. Auf dem linken Nachtschrank steht eine Leuchte, auf dem linken ein Kaktus. 
Auf dem Bett liegt eine blaue Decke, auf der sich eine Katze räkelt.

Welcher Leser findet diese Schilderung interessant? Spannend schon gar nicht. Das ist ein nüchternes Aufzählen von Tatsachen. Wichtiger ist, dass der Autor zu dem, was er schreibt einen Bezug findet. Der Autor stellt klar, was er liebt, was er hasst und was sein Herz berührt.

Beschreiben ist ein Schreiben mit allen Sinnen. 

Kurz und knapp ist damit alles gesagt, aber Halt, ist es das wirklich?

Welche Sinne stehen uns zur Verfügung?
Sehen
Hören
Riechen
Schmecken

Mir machte neulich eine Rezensentin eines der größten Komplimente, die ein Autor erfahren kann. Sie schrieb: "Das Buch nimmt an Fahrt unbeschreiblich auf und ich habe mich verloren in den Weiten Kanadas, habe gerochen, was Andrea El Gato beschreibt, habe es geschmeckt und vor meinem Auge genau sehen können. Ich hatte Hunger und ich habe mitgefroren, mir taten alle Knochen weh und ich habe geweint. Ich habe die Vögel gehört und das Plätschern des Wassers, war fassungslos und wütend ob der Unverfroren- und Hinterlistigkeit.
Ich habe mich verliebt, in Emma und Gui-k'ate."

Nehmen wir als Beispiel Isabell Allende in "Geisterhaus"

"Durchs Fenster des Zuges sah er die Landschaft des Haupttals an sich vorüberziehen, große Felder am Fuß der Kordilleren, üppige Weingärten, Getreide, Alfalfa, Maravilla. Er verglich sie mit den unfruchtbaren Ebenen im Norden, wo er zwei Jahre lang in einem Loch inmitten einer wilden, mondhaften Natur gelebt hatte, an deren schrecklicher Schönheit er sich nicht hatte satt sehen können, fasziniert von den Farben der Wüste, den Blautönen, dem Violett, dem Geld, den offen zutage liegenden Erzen."

Die Haupteigenschaft hier liegt auf dem Sehen. Isabell Allende hat einen Vergleich eingebaut, Farben, Namen der Pflanzen und den Namen der Gegend. Also kommen hier noch zusätzlich zum Sehen, Details hinzu, die vor dem Leser ein Bild entstehen lassen.

In einer Szene im "Portrait in Sepia" legte Isabell Allende eher Augenmerk auf einen weiteren Sinn: Hören

"Ich wurde im ersten Morgenlicht geboren, aber in Chinatown gehen die Uhren anders, und um diese Stunde fängt das Handelsgeschäft an, rumpeln unablässig die Lastkarren durch die Straßen, tönt aus den Käfigen das traurige Jaulen der Hunde, die auf das Messer des Kochs warten."

Läuft es euch nicht eiskalt den Rücken herunter, wenn ihr das lest? Sie schreibt nicht einfach: Ich wurde am 7.Mai um fünf Uhr geboren. In Chinatown beginnt um diese Zeit das Handelsgeschäft, es fahren Lastwagen die Straßen herab.

Nein, das Verb "rumpeln", verstärkt die Handlung. Das traurige Jaulen der Hunde rührt unser Herz. 

Genauso könnt ihr mit den anderen Sinnen verfahren.

Beschreibt, was ihr riecht oder wie etwas schmeckt. Übt euch darin, aufmerksamer durchs Leben zu gehen, und diese Dinge zu notieren. Denkt ans Klauen mit Augen und Ohren.

Oft sind die kleinen, feinen Details, die das Interessante an einer Geschichte ausmachen. Der kleine Leberfleck an der linken Wange, die blühende Amaryllis, der rote Henkeltopf mit der abgestoßenen Stelle. Übt euch im Wahrnehmen von Details. 

Ihr könntet gerade jetzt in der Kälte einen Spaziergang unternehmen und euch hinterher an eurem Schreibtisch setzen und eure Eindrücke schildern. Wie fühltet ihr euch? Wie roch es? Was hörtet ihr? Begegnete euch jemand? Wie sah er aus? War seine Nase rot gefroren? Lief der Schnodder? Waren seine Hände kalt? Was hatte er für Schuhe an? Wie fühlte es sich an, als ihr unterwegs an einer Bäckerei vorbeikam, aus der der Duft frischen Gebäcks herausquoll?

Ihr merkt sicher, diese Liste ließe sich fortführen.
Aber für heute reicht das vollkommen.

Morgen üben wir uns einem weiteren wichtigen Punkt zum Thema Beschreiben. Und zwar den Vergleichen, Veranschaulichen, Metaphern


Dienstag, 7. Februar 2012

Die fünf Formelemente des Schreibens

Auch wenn an dieser Stelle der eine oder andere Autor Neuland betritt, lade ich euch alle ein, gemeinsam mit mir diesen Schritt zu wagen.

Unbewusst werdet ihr diese Elemente mit Sicherheit bereits gebraucht haben, aber wenn wir alle Elemente besprochen haben, werdet ihr mit Sicherheit in folgenden Projekten mehr darauf achten und das Schreiben wird euch leichter fallen.

Wie wir wissen gibt es verschiedene Grundfarben für den Zeichner, die dieser in einer perfekten Komposition vermischt, um sein Bild mit Höhen und Tiefen auszustatten. Genauso ist es in der Schreiberei.
Ein Märchen ist etwas anderes wie ein Bericht. Eine Erzählung keine Gebrauchsanweisung. Um hier besser zu differenzieren, gibt es:

Beschreiben
Erzählen
Begründen
Erklären
und den Dialog

Das waren sie schon. Hören sich gar nicht so schlimm an, oder?

Nehmen wir doch einfach einmal den Unterschied zwischen einem Bericht und einer Erzählung.

Der Bericht beleuchtet Fakten- Wer? Was? Wo?
Er liefert nur kurze Aussagen, ohne die näheren Umstände zu beleuchten. Er hat seinen Zweck vollkommen erfüllt, wenn er stimmige Daten und Fakten liefert. Hier steht die reine Information im Mittelpunkt.

Die Erzählung dagegen liefert ausschmückende Elemente, wie zum Beispiel eine Begründung.
Wie? Weshalb?
 
Eine Erzählung benötigt handelnde Figuren mit Motiven für ihr Handeln. Warum handelt derjenige so? Was fühlt er dabei? Wieso handelt er nur so und nicht anders?
Gleichzeitig benötigt die Erzählung einen überzeugenden Schluss. Dieser sollte mit den Beweggründen der Handlung verknüpft sein.

Für heute war es das bereits, morgen steigen wir etwas tiefer ein. Wir werden uns morgen intensiver mit dem Thema "Beschreiben" auseinandersetzen.


Montag, 6. Februar 2012

Die Unantastbarkeit eines Manuskriptes

Die neue Woche startet mit einer Fortsetzung der kleinen Schreibschule!

Ich möchte mich bei jedem einzelnen Leser der vergangenen Wochen bedanken, ebenso für die zahlreichen Mails, die mir bestätigen, dass ihr dieses kostenfreie Hilfsangebot zu schätzen wisst.

Aber heute beschäftigen wir uns mit einem Thema, was nicht wirklich jeder von euch mag.
Das Thema lautet:  
            Überarbeiten

Im Laufe meiner fast vierjährigen Arbeit als Lektorin und dreijährigen Arbeit als Verlegerin sind mir verschiedene Arten von Autoren begegnet.

Die erste Gruppe sind die Autoren, die gern schreiben, sich aber überhaupt keine Gedanken um Logik, Rechtschreibung und Grammatik machen. Von dieser Gruppe höre ich dann: "Dazu ist doch der Lektor da. Der kann das dann machen."

Die zweite Gruppe besteht aus den Autoren, die ihren Text als unfehlbar und unantastbar sehen. Diese Autoren kämpfen um jedes Wort, fühlen sich persönlich angegriffen, wenn ein Fremder, wie zum Beispiel der Lektor, an ihrem Text vergreift.

Schlussendlich die dritte Gruppe, die diese beiden Stufen bereits hinter sich gelassen haben und die Überarbeitung ihres Manuskriptes als kreativen Reifeprozeß betrachten.

Ich möchte in diesem Artikel nicht meine Arbeit beleuchten, sondern die Überarbeitung eines Manuskriptes bevor ihr es einem Verlag vorlegt.

Denn: Das Überarbeiten gehört zu den wichtigsten Tätigkeiten eines Schriftstellers. Und wer das nicht kann, wer nicht in der Lage ist, sein eigenes Geschreibe zu überprüfen und nachzubearbeiten, hat nicht das Recht, sich Schriftsteller zu nennen.

Aus welchen Teilbereichen besteht das Überarbeiten überhaupt?

Zum einem aus dem Kürzen und Streichen.

William Stunk schrieb in "Elements of Style" übersetzt von Gabriele L. Rico on "Garantiert schreiben lernen":
Zitat: "Ein Satz sollte keine überflüssigen Wörter, ein Absatz keine überflüssigen Sätze enthalten, so wie eine Zeichnung keine überflüssigen Striche und eine Maschine keine überflüssigen Teile enthalten sollte. Das heißt nicht, dass der Autor nur kurze Sätze schreiben und auf alle Einzelheiten verzichten muss, sondern dass jedes Wort bedeutsam sein soll."
Ein weiterer Bereich ist das Erweitern.

Oft erlebe ich, dass bestimmte Figuren, Orte oder Empfindungen zu undeutlich oder schwach angedeutet sind. Hier empfiehlt es sich, diese Dinge stärker herauszuarbeiten. Notizen und Personenbeschreibungen, die der Autor sich angelegt hat, sind hier hilfreiche Instrumente.

Rechtschreibung und Grammatik

Der Duden Korrektor ist ein machtvolles Hilfsinstrument und mittlerweile für wenig Geld zu bekommen. Aber Achtung! Der Duden Korrektor kann nicht denken. Im Deutschen gibt es viele so genannter "Teekesselchen." Das sind Wörter mit gleicher oder ähnlicher Schreibung, aber unterschiedlicher Bedeutung.

Einige Beispiele:
Wagen/wagen
Der Wagen bog um die Ecke. Sie wagen sich aus der hintersten Ecke heraus.
Mehrteiler/Meerteiler
Ein Mehrteiler ist ein Kleidungsstück, ein Musikstück oder ein Theaterstück, was aus mehreren Teilen besteht.
Meerteiler gibt es nur einen und zwar Moses.
Bogen/bogen
Er schoss den Pfeil mit dem Bogen ab. Sie bogen um die Ecke.

Duden Korrektor kann schon viel. Aber das Denken kann er nicht abnehmen. 

Zeitfolge
Der Autor sollte sich unbedingt einen Zeitstrahl anlegen, an dem er die zeitliche Abfolge seiner Ereignisse kontrolliert.

Logik
Stimme die Daten und Fakten, die der Autor nennt? Oft sind hier zahlreiche mühselige Recherchearbeiten notwendig. Aber nichts ist peinlicher, als wenn, wie ich es an anderer Stelle bereits schrieb, die Hamburger Alster auf einmal in Düsseldorf landet.

Der Autor sollte seinen Text laut lesen. Oft. Dabei sollte er folgende Fragen im Hinterkopf behalten:

Kann ich den Satz einfacher gestalten?
Kann ich mich verständlicher ausdrücken?
Habe ich Klischees eingefügt oder meine eigenen Worte benutzt?
Sind Rechtschreibung und Zeichensetzung in Ordnung?
Bin ich meiner roten Linie gefolgt und habe das geschrieben, was ich mir vorgenommen hatte?

Sol Stein schrieb in "Über das Schreiben" einige harte, aber wahre Worte. Zitat: An seiner Einstellung zur Revision eines Textes kann man den echten Autor vom Möchtegernautor unterscheiden. Ein guter Autor, ob Amateur oder Profi, empfindet die Überarbeitung seines Textes als willkommene Gelegenheit, Worte, Sätze, Absätze oder ganze Kapitel zu streichen, die nicht den gewünschten Effekt haben, und andere, gelungenere, noch zu verbessern.

Wohl wahr diese Worte. In diesem Sinne bitte ich euch, eure Manuskripte, egal ob Kurzgeschichte oder Roman, vor der Einreichung in einen Verlag zu überarbeiten.
Der Lektor wird es euch danken!

Morgen zeige ich euch die fünf Formelemente des Schreibens.

Sonntag, 29. Januar 2012

Tipps, um fehlender Ausdauer entgegenzuwirken

Mangelnde Geduld, aber auch fehlende Ausdauer können bewirken, dass wir unsere Geschichte oder unseren Roman nie beenden. Was können wir dagegen tun?

Die Ratschläge, die ich euch nachfolgend gebe, habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Aber sie helfen mir und warum soll ich sie euch dann nicht weitergeben?
Gleichzeitig fasse ich damit das zusammen, was ich euch in den vergangenen Tagen geschrieben habe.

1) Baut euch Routinen auf: Bequeme Kleidung, eine Tasse Kaffee oder Tee, Musik oder keine, ein heller Arbeitsplatz. Autoren benötigen für ihre Schreiberei meistens Ruhe, also sorgt für Ruhe.

2) Legt euch Notizen an. Entweder als dicke Kladde, als Karteikasten, als Datei oder Zettelsammlung gut sichtbar an die Wand gepinnt.

3) Setzt euch Ziele. Pro Tag so und so viel Seiten. Bis dann und dann ein Kapitel.

4) Plant feste Zeiten zum Schreiben ein, legt diese Zeiten fest und haltet sie ein. Schreibt regelmäßig.

5) Wartet nicht darauf, dass die Muse euch küsst, sondern schreibt oder arbeitet auch an eurem MS, wenn ihr eigentlich keine Lust dazu habt. Das Gefühl euren inneren Schweinehund überwunden zu haben, wird euch die Kraft geben, immer weiterzumachen. 

6) Gönnt euch zwischendrin Pausen. Wenn ihr merkt, es klappt gar nix mehr, hört lieber auf und arbeitet an einem kreativen Tag länger. Oft helfen frische Luft, etwas Sport oder Ablenkung, den Knoten im Kopf platzen zu lassen.

7) Lernt "Nein" zu sagen. Wenn die Zeit fürs Schreiben da ist, dann lasst euch nicht durch Telefon, Freunde oder Familie ablenken. Mit der Zeit werden sie lernen,  diesen Freiraum zu respektieren.

8) Ihr schreibt und schreibt und mit einmal fehlt euch der passende Ausdruck. Was nun? Bitte unterbrecht jetzt nicht eure Arbeit, sondern nutzt den kreativen Schub und schreibt einfach weiter. Macht euch eine Randnotiz und beschäftigt euch später damit. 

9) Schreibt in Schriftgröße 11 Punkt mit einem Zeilenabstand von 1,5 Zeilen und in Blocksatz. Damit erleichtert ihr eurer Lektorin das Lesen und gebt ihr Raum für Randnotizen. Wenn ihr gleichzeitig die Empfehlungen für Normseiten benutzt (60 Zeichen a 30 Zeilen), dann hat der Verlag eine ungefähre Vorstellung vom Gesamumfang eures MS. 

10) Zu guter Letzt: Ob unter der Dusche, im Auto, auf dem Markt, im Zug, im Restaurant - egal wo. Klaut mit Augen und Ohren. :-)

Die kommende Woche möchte ich das Geschriebene erst einmal bei euch sacken lassen. Daher geht es in der kleinen Schreibschule erst ab den 6.Februar weiter.


Zerbrochenes Glück, versandkostenfrei bei Weltbild

Samstag, 28. Januar 2012

Schreibblockade - oh weh

Habt ihr mich gestern vermisst?
Mich überfiel gestern eine Schreibblockade. Ganz plötzlich und unerwartet.

Kennt ihr das? Ihr sitzt am PC, habt Word geöffnet, und der Kopf ist leer. Wusch, alles weg. Vorhin noch, ja, da geisterten so viele Inspirationen durch euren Kopf, aber jetzt? Weg.
Jeder leidet hin und wieder unter schöpferischen Krisen, besonders die kreativen Zünfte scheinen oft heimgesucht zu werden. Selbstzweifel gehören dazu, Tage, an denen irgendwie gar nichts gelingen will.

Aber welche Möglichkeiten haben wir, dagegen anzukämpfen?

Jetzt kommt wieder dieses schreckliche Wort: "Geduld". Ja, Geduld ist notwendig, genauso wie Disziplin und Fleiß. Schlussendlich gehört ein Plan mit dazu. 

Fangen wir mit diesem an. Am Ende benötigen Herr oder Frau Autor all die anderen Tugenden, um den Plan in der Praxis zum Erfolg zu verhelfen.

Entweder ich warte, dass ich Zeit finde, mich meinem Hobby zu widmen oder ich plane die Zeit dafür ein. Wenn ich auf die passende Zeit warte, garantiere ich euch, werde ich sie nie finden.

Im Laufe meines Lebens habe ich zahlreiche Menschen kennengelernt, die sich über mangelnde Zeit beklagten, gleichzeitig aber viele sinnfreie Dinge taten, die letztendlich Zeiträuber waren. Natürlich benötigen wir alle Zeit für Entspannung. Darum geht es hier auch nicht. Es geht darum, sich eine feste Zeiteinteilung zu schaffen, wann man sich  hinsetzt, um zu schreiben. Genauso, wie man Zeit für das Fitnessstudio einplant, für den Englischkurs oder für das Studium.

Wann das ist, wie diese Zeiteinteilung aussieht, bleibt jedem selbst überlassen. Aber es macht tatsächlich Sinn, diese Zeit irgendwo an oder in einem Kalender zu notieren.

Als Bsp: Dienstag und Donnerstag 19:00 - 21:00 Bearbeitung meines MS
Freitag 17:00 - 19:00 Recherchearbeiten

Und jetzt kommen wir zu den oben genannten Tugenden. Gesetzt den Fall, ich bin abends eigentlich viel zu kaputt, im Fernsehen läuft ein toller Film oder die Kumpels haben gefragt, ob wir uns zu einem Bier treffen ... hier setzen Fleiß und Disziplin ein.

Die Geduld ist vonnöten, wenn es einfach nicht so schnell voran geht, wie ich es mir wünsche.

So, was hat das alles jetzt mit der Schreibblockade zu tun? Ganz einfach. Je öfter ich schreibe, egal, ob ich ein Tagebuch führe, auf meinem Blog etwas poste, an einem MS arbeite, eine Kurzgeschichte schreibe oder einfach nur eine Schreibübung ... all diese Dinge werden die dusslige Blockade zum Mond jagen.
All die, in der vergangenen Woche genannten, Methoden, sind regelmäßig und nicht in der Regel mäßig angewandt, gute Hilfen im Kampf gegen Schreibblockaden.

Testet euch selbst. Wenn ihr wollt, können wir heute gern mit einer Schreibübung beginnen.
Schreibt über ein Ereignis, was euch besonders berührt hat. Der Text sollte maximal eine Seite lang sein.
Viel Spaß!

Morgen gehen wir der mangelnden Ausdauer an den Kragen.



NOEL versandkostenfrei bei
Amazon

Donnerstag, 26. Januar 2012

Wie finde ich einen guten Schluss?

Weiter geht es mit der kleinen Schreibschule. Ich freue mich sehr, dass diese so gut von euch angenommen wird. Ihr wisst ja, die Hoffnung stirbt zuletzt und meine Hoffnung heißt Zeit. Wenn ich irgendwann mehr Zeit habe, dann würde ich gern diese Schreibschule etwas vertiefen. Vielleicht mit Übungen ausbauen oder mit kleineren Einsendungen. Vamos a ver. Wir werden sehen. 

Zum Thema: Was haben wir? Wir sprachen über Notizen machen, über Details und über die Gliederung.
Wieso setzen wir uns mit dem Thema Schluss auseinander? Nun ganz einfach. Genauso wichtig wie der Anfang, ist das Ende.
Mein Ausbilder sagte immer: Ein Punkt ersetzt noch keinen Schluss!

Wichtigster Aspekt für einen guten Schluss: Er muss logisch sein. Es ist unwichtig, ob er kurz und knackig oder sich langsam anbahnt. Die Logik muss stimmen. Viele Autoren ziehen einen Bogen zum Anfang, oft wählen sie das Happy End, eine Abschiedszene oder eine Strafe. Der Leser sollte quasi zufrieden mit der Handlung abschließen können. 

Im Krimi oder der Kurzgeschichte endet die Story oft mit einem Knallbonbon. Diese überraschende Wendung oder der Kontrast macht die Handlung aus. Im Roman dagegen, kann sich der Schluss über mehrere Seiten anbahnen und auch sanft ausplätschern. 

Ich möchte euch dies an einigen Bsp verdeutlichen.

In "Das Lachen des Kookaburra", hat die Autorin das Happy End gewählt. Zitat: Keine Briefe, keine Telefonate. Sie würde ihn niemals wiedersehen. Er war nur noch ein Schatten, eine Erinnerung aus einem anderen Leben."

In "Schattensprung" ging die Autorin einen anderen, dennoch sehr wirkungsvollen Weg. Sie setzte das Ende vorweg. Im Prolog erfährt der Leser bereits das Ende und fiebert diesem während des Lesens des Romanes entgegen.

Ich habe in "Zerbrochenes Glück" noch einen anderen Weg gewählt. Ich habe mit meinem Schluss bereits auf eine Fortsetzung hingewiesen.
Zitat: Auf einmal hielt ich inne, las einmal, las zweimal. Da war sie meine Chance ...

Ich wünsche euch viel Spaß beim Schreiben und freue mich, wenn mir der eine oder andere seine Übungen zusendet.

Morgen möchte ich mich mit euch über das Thema Schreibblockade unterhalten. Gibt es diese? Was ist eine Schreibblockade überhaupt? Kann man sie überwinden?
Ich wünsche euch einen entspannten Abend mit einem guten Buch.
Eure Andrea el Gato


versandkostenfrei bei Amazon


Mittwoch, 25. Januar 2012

Die Heldenreise

Einige von Euch werden die Heldenreise vielleicht bereits kennen. Ich wurde auch schon gefragt, ob sie denn heute noch Bedeutung hätte.
Sie ist eine tolle und vor allem erfolgserprobte Art der Gliederung.
Ihr könnt die Heldenreise auch gern in Wikipedia nachlesen, hier schreibe ich die, die ich an meiner Pinnwand hängen habe.
OK fangen wir an.

1) Die Ausgangssituation - Aufstellen der Figuren, ähnlich wie auf einem Schachbrett, der Held (Protagonist) hat ein Problem. Im Moment weiß er noch nicht, wie er das Problem lösen soll.

2) Der Auslöser - es geschieht ein auslösendes Ereignis, was die Handlung in Schwung bringt

3) Weigerung des Helden - Held (Protagonist) weigert sich, dem Ruf des Abenteuers zu folgen

4) erster Wendepunkt - ein starkes Ziel, der Held ist entschlossen, sich auf den Weg zu machen

5) Freunde & Feinde

6) Mittelpunkt der Geschichte - Held erkennt sein innerstes Bedürfnis

7) Zerreißprobe - Entweder / Oder Situation

8) zweiter Wendepunkt - Scheitern - Held scheitert entweder mit seinem Ziel oder seinem Bedürfnis oder beidem

9) Katastrophe - Held ist nicht nur gescheitert, die für ihn schlimmste Wendung ist eingetreten

10) Höhepunkt- auf unerwartete, aber glaubhafte Weise erfüllen sich Ziel oder inneres Bedürfnis des Helden

11) neue Situation- Ausklang - unterscheidet sich erkennbar von Ausgangssituation, Held ist persönlich gereift

Natürlich müsst ihr nicht alle Punkte abarbeiten. Es kommt immer auf das Manuskript an: Auf die Länge, auf das Genre und natürlich auch eurem Thema.

Aber ein Leitfaden ist es allemal und wenn ihr eure im Bücherschrank stehenden Bestseller analysiert, werdet ihr sehen, dass fast jeder erfolgreiche Autor die Heldenreise nutzt.

Morgen unterhalten wir uns über den Schluss.
Ich wünsche euch einen entspannten Abend, wo auch immer ihr gerade seid. 
LG & Ciao Eure Andrea el Gato




Noel, das Kinderbuch zum Lesen und Ausmalen für 7,99 Euro versandkostenfrei bei
Amazon

Dienstag, 24. Januar 2012

Die Gliederung

"Ach, wie langweilig!", werdet ihr jetzt sicher stöhnen. Eine Gliederung ist doch popel.
Mag sein.
Anfang
Mitte
Ende

und schon sind wir fertig und ich kann in den Feierabend gehen.

Ganz so einfach ist es nicht. Die Gliederung ist unser Rettungsseil, unser Wegweiser und Leitfaden, damit wir in der Wust unserer Notizen nicht das Ziel aus dem Auge verlieren.
Genauso wie jedes Gebäude einen Bauplan benötigt, jedes Gewerbe einen Businessplan, benötigt ein Manuskript eine Gliederung.

Wenn wir anfangen unsere Notizen zu sortieren, tun wir nichts anderes, als eine Gliederung anzulegen.
Wir analysieren unsere Notizen nach dem: "Was ist?", 
nach dem: "Für und Wider", "Was könnte sein?", "War es schon immer so?"
nach dem: "Wohin soll die Reise gehen", "Was soll das Ziel sein".


Ihr ahnt schon, diese drei Punkte stellen Anfang, Mitte und Schlussteil dar.

Nebenbei kommen noch Idee, Phrasen, Gedanken, die einfach so im Raum stehen.

Am Ende sortiert ihr eure Notizen nach den Details, die bereits feststehen, wie Personen und Orte, feste Dialoge, feste Szenen, oder bestimmte wichtige Details, die euch im Kopf herumspuken.

Morgen stelle ich euch die Heldenreise vor. Das ist eine tolle Art der Gliederung, die ihr nur noch mit euren Ideen füllen müsst.
Was benötigt ihr, um eine Gliederung mit Inhalten füllen zu können? Genau! Notizen!
Ich konkretisiere: detaillierte Notizen!

Ein Beispiel: Carmen hatte einen schönen Garten.

Was sagt dieser Satz jetzt eigentlich aus? Was ist ein schöner Garten? Entsteht das Bild eines schönen Gartens vor eurem inneren Auge? Nein?
Ok, dann füllen wir diesen Satz mit Details.

Carmen pflegte ihren Garten voller Hingabe. Wann immer sie Zeit fand, beschnitt sie die Rosenhecke am Tor, die sie jetzt im Frühjahr mit duftenden zartrosa Blüten belohnte. Im kleinen Teich schwamm Fridolin, der Goldfisch. Am Baldachin des runden Pavillions baumelte eine kleine Lampe, die ihr an lauen Abenden Licht spendete. Dort saß sie im Sommer Abend für Abend mit einem Glas Wein und las in einem Buch. Carmens Mann Thomas war für den Rasen verantwortlich. Jeden Samstag tuckerte er mit dem Mäher über die grünen Stengel, um sie kurz zu halten. Dafür lag er Sonntags fast den gesamten Tag, in der, zwischen den Apfelbäumen gespannten, Hängematte und genoss den Frieden.

Auch wenn diese Darstellung jetzt etwas zu harmonisch klingt, habt ihr ein Bild vor Augen. Das erreicht ihr mit Details!

Klaut mit Augen und Ohren, macht euch Notizen, besprecht das Diktiergerät oder nutzt die Aufnahmetaste eures Handys, um Ideen und Gedanken sofort festzuhalten. Morgen sind sie euch entfleucht.


 Zerbrochenes Glück, versandkostenfrei bei
Amazon für 12,90 Euro

Montag, 23. Januar 2012

Personen und Orte in einer Story

Mit Sicherheit gibt es auch Geschichten, die absolut minimalistisch ausgestattet sind. Dennoch benötigen sie in der Regel mindestens eine handelnde Person. Besser sind zwei. 
Eine Handlung lässt sich mit zwei Figuren besser darstellen, die erste ist die Hauptperson und die zweite der Gegenspieler.
Die Hauptperson nennt man Protagonist, den Gegenspieler Antagonist.

Könnt ihr euch noch an einen meiner ersten Sätze erinnern? 
Dem Autor sind Diebstahl mit Ohren und Augen erlaubt.
Je offener eure Augen und Ohren sind, je sorgfältiger ihr euch Notizen macht, um so größer ist jetzt eurer Materialfundus.

Nehmen wir noch einmal den Ausgangspunkt von gestern und planen, eine Kurzgeschichte zu schreiben, die lautet:
Urlaub in Dänemark, 
dann benötigen wir nach wie vor, Personen ... mindestens eine, die diesen Urlaub antreten möchte.
Wie soll diese Person aussehen? Soll sie männlich, weiblich, alt, jung, dick, dünn, intelligent oder weniger sein?
Wenn ihr euch einen Zettelkasten, einen Notizblock oder eine Datei mit verschiedenen Persönlichkeiten, denen ihr irgendwann, irgendwo begegnet seid, angelegt habt, fällt es euch leicht, eine Person zu finden und zu beschreiben.

Natürlich sind diese Notizen vorab nicht unbedingt notwendig.  Eure Fantasie ist schöpferisch genug, um eigene Ideen hervorzubringen. Dennoch möchte ich euch empfehlen, Notizen anzulegen. Vielleicht nicht unbedingt, wenn ihr eine zweiseitige Kurzgeschichte zum Thema schreibt.
Je umfangreicher eure Abhandlung wird, um so dichter sollte eure Personenbeschreibung sein.

Ich habe mir zum Beispiel angewöhnt, einen kompletten Lebenslauf zu meinen Figuren anzufertigen, der bei der Bearbeitung des Werkes vor mir an der Wand hängt. So kann es nicht passieren, dass meine 12jährige Nichte auf einmal 16 Jahre alt ist, oder meine Großmutter, die in Berlin geboren ist, auf einmal aus Stettin stammt.

Die Orte sind genauso wichtig. Zahlreiche Empfehlungen lauten: "Beschreibe nur Orte, die du kennst!"
Gerade Schreibanfänger sollten sich tatsächlich nur auf sicheren Boden bewegen. Niemand nimmt einen Autor und seine Story ernst, wenn eklatante Fehler in den Örtlichkeiten vorkommen. Wenn die Hamburger Alster auf einmal in Kiel anzutreffen ist. Der Leser achtet nur noch auf die Fehler, nicht mehr auf den Inhalt.
Daher schließe ich mich dieser Empfehlung an. Alternativ jedoch - nicht jeder kann nach Kanada oder Australien reisen - bieten sich gute Recherchen an. Diese sind zeitaufwendig und müssen wirklich gut sein.

Fassen wir zusammen:
Wir haben eine Idee, wissen, dass wir eine Kurzgeschichte zum Thema: "Urlaub in Dänemark", schreiben wollen.
Wir suchen heute als Aufgabe mindestens eine, besser zwei Personen, die diesen Urlaub antreten wollen.

Morgen sprechen wir über das Thema: Gliederung.
Je kürzer der Text, umso wichtiger ist eine gute Gliederung.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Basteln eurer Figuren, wir lesen uns morgen.



Zerbrochenes Glück, jetzt auch über Umbreit bestellbar. 
12,90 Euro versandkostenfrei bei Amazon














Sonntag, 22. Januar 2012

Clusterverfahren

Wie ich euch gestern breits angekündigt habe, möchte ich euch heute in das 
Clusterverfahren
einführen.
Diese Methode ist wirkungsvoll für Anfänger, für Schreibübungen oder auch für Auftragsarbeiten.
Clustern regt beide Gehirnhälften an, die kretive und die logische Seite unseres Denkens. In dem Moment, wo wir Stichpunkte notieren, sehen wir sie vor Augen und es entstehen automatisch weitere Assoziationen oder Bilder.


Ich möchte euch die Clustermethode anhand eines kurzen und sicher nicht vollständigen Beispiels zeigen. Damit der Scan lesbar bleibt, habe ich mit dickem Filzer geschrieben und das Blatt war so schnell voll.

Meine Phrase lautete: Urlaub in Dänemark
Schaut selbst, was mir dazu eingefallen ist:


Am Ende haben wir haufenweise Notizen, Wörter oder Phrasen stehen. Denkt nicht darüber nach, ob das, was ihr schreibt sinnvoll ist. So steht bei mir neben Dänemark das Wort Vollbeschäftigung. Das hat sicherlich nix mit Urlaub zu tun. Mir schwirren noch so viel weitere Wörter im Kopf herum, die eventuell alle nicht zum Thema Urlaub, jedoch aber zu Dänemark passen. Egal. Ohne nachdenken, aufschreiben. Sortiert wird später.

Probiert es einfach selbst aus. Ihr werdet sehen, die Methode macht Spaß und bringt viele neue Ideen.
Eine Anregung möchte ich euch noch geben, die ich hier nicht ausgeführt habt. Kreist die Worte ein, das Hauptwort sogar immer und immer wieder. Das regt euren Gedankenfluss weiter an.

Da eine Story in der Regel aus einer Handlung besteht, sprechen wir morgen über Personen und Orte.

Viel Spaß beim Clustern!


Samstag, 21. Januar 2012

Vorbereitungen, damit Schreiben zum Erfolg wird

"Wie jetzt?", werden einige fragen. "Muss ich jetzt auch noch Vorbereitungen treffen?"

Natürlich! Bevor der Schreiberling sich an seinen PC, Schreibmaschine oder Papier setzen kann, sind einige Grundvoraussetzungen zu schaffen, die wir heute besprechen möchten.

Vorbereitungen, damit Schreiben zum Erfolg wird.
Zuerst sollte uns klar sein, über welches Thema wir schreiben möchten.
Wichtigste Prämisse sollte hier sein, dass wir ausschließlich Themen wählen, bei denen wir uns auskennen. Leser merken sehr schnell, wenn der Autor keine Ahnung hat, von dem, was er da erzählt.
Zweite Prämisse, dass wir nur Themen wählen, die uns am Herzen liegen. Unser Engagement oder Herzblut fließen in die Texte ein und machen sie um so symphatischer. Dabei liegen diese Themen täglich vor unseren Füßen. Autoren sind Diebe, die für ihren Diebstahl nicht bestraft werden. Autoren klauen mit Augen und Ohren. Sie haben ein Diktiergerät in der Tasche, auf das sie Dialoge, die am Nachbartisch im Restaurant gesprochen wurden, schnell nachsprechen. Sie haben einen Notizblock oder Zettel dabei, auf dem sie Gedanken, Charaktere, Ideen, Schlagzeilen aus der Zeitung oder Meldungen aus dem Radio notieren.


Oft haben sich Autoren bei mir beklagt: "Ich habe gerade eine Schreibblockade. Mir fällt nix ein. Ich kann da sitzen und warten, mir kommt einfach keine Idee."

Wer darauf wartet, dass die Muse ihn küsst, kann lange warten. Eigeninitiative ist gefragt. Öffnet euch für die Dinge, die geschehen, achtet auf die Details.

Beobachtet Eltern, wie sie mit ihren Kindern umgehen. Taxifahrer, Verkäufer. Lauft durch Straßen und grüne Parks, saugt die Gerüche, Farben ... einfach alles auf. Macht euch Notizen.

Ein Schreiberling hat nur das Papier und den Stift, oder sagen wir mal besser, die Tastatur. Um eine Geschichte lebendig und echt vermitteln zu können, sind diese Details mega wichtig. Sonst könntet ihr auch ein Sachbuch schreiben.

Eine Empfehlung, die in allen Schreibschulen gegeben wird, lautet:
"Führe ein Tagebuch"

Diese Empfehlung greift obige Anregungen auf. Wichtiger noch. Sie schult euch im täglichen Schreiben.
So, das hätten wir. Ihr erstickt mittlerweile in einer wahren Flut von Notizen. Aber wie wollt ihr daraus nun eine Geschichte stricken?

Kennt ihr das Clusterverfahren?
Damit beschäftigen wir uns morgen!





NOEL 7,99 Euro versandkostenfrei bei Amazon

Freitag, 20. Januar 2012

kleine Schreibschule - Einführung

Immer wieder erreichen mich Fragen von Autoren, die mich jedes Mal viel Zeit kosten, sie zu beantworten. Da ich im Grunde meines Herzens faul und bequem bin, habe ich mir gedacht, richte ich diese kleine Schreibschule ein. Dann kann ich einfach den fragenden Autor auf diesen Blog verweisen und mich meinen Kernaufgaben widmen.

Nun was sind das für Fragen?
Hier auszugsweise einige: 
- Meine Freunde sagen immer, dass ich ein traumhafter Erzähler bin und unbedingt meine Storys zu Papier bringen sollte. Gibt es einen Unterschied zwischen Reden und Schreiben?

Ja, den gibt es. Während wir beim Reden unsere Hände benutzen, um bestimme Passagen durch Gesten zu unterstreichen, unsere Mimik benutzen, um Emotionen auszudrücken, und sofort durch die Reaktion des Gegenübers eine Antwort erhalten, haben wir beim Schreiben nur das Papier. Bin ich langweilig oder nicht? Interessiert das Gesagte meinen Gegenüber, versteht er mich?
Beim Erzählen passen wir Tempi und Stimmlage der Story an. Das ist dem Schreiberling ebenfalls möglich, leider machen zu wenig Autoren davon Gebrauch. An späterer Stelle werde ich näher auf dieses Stilmittel eingehen.

-Meine Freunde/Familie/Bekannte haben bereits einige meiner Geschichten gelesen und meinen, ich hätte Talent. Reicht Talent alleine aus, um ein erfolgreicher Autor zu sein?

 Bitte fragt euch, ob jemand, der gut kochen kann, automatisch ein Koch ist. Jemand, der singen kann, ein Superstar und jeder, der gut schreiben kann, ein Schriftsteller ist? Mit Sicherheit nicht. Talent ist gut, aber nicht alles. 

- Was benötigt ein Autor, um gut schreiben zu können?

Vor allem Fantasie. Danach kommen Fleiß, Ausdauer und (ein Wort, was ich gar nicht mag) Geduld. Wobei Ausdauer und Geduld nicht dieselben Eigenschaften sind. Mit Fleiß und Ausdauer arbeitet ihr wochen-, vielleicht monatelang an einem Manuskript. Die Geduld wird euch helfen, realistische Ziele, zum Vollenden eures Werkes, zu setzen. Ihr benötigt das richtige Handwerkszeug, denn Schreiben ist ein künstlerisches Handwerk. Natürlich benötigt ihr Stift, Papier, PC oder Schreibmaschine ebenfalls. Zu guter Letzt benötigt ihr eine Story.

- Kann man schreiben lernen? 

 (Hier werden sicherlich einige lauthals protestieren und sagen: "Was soll die Frage? Wir haben bereits in der Schule schreiben gelernt!" Sicherlich habt ihr das. Aber Schreiben und Schreiben sind zweierlei.)
Ja man kann. Aber ob du es kannst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. 

Im Laufe der kommenden Tage möchte ich euch diese Faktoren vorstellen. Genauso wie ich euch das notwendige Handwerkszeug vorstellen möchte. Wer mag, kann die Übungen lösen, die ich einstellen werde. Aber das möchte ich euch selbst überlassen.

- Immer wieder lesen wir in den Medien von Schriftstellern, die sich Traumhäuser am Meer leisten können und Millionen scheffeln. Sollte ich sofort meinen Arbeitsplatz kündigen, wenn ich ein Buch veröffentlicht habe?

Hoffentlich tut ihr das nicht. Gerade Deutschland ist ein Land voller Poeten. Der Markt ist gesättigt, nein überfüllt. Wenn Schreiben und Redigieren schon wahre Herausforderungen darstellen, dann der Verkauf erst recht. 
Was nutzt das beste Produkt auf dem Markt, wenn niemand weiß, dass es da ist? Warum soll der Kunde mein Buch kaufen, wo doch die Medien voll des Lobes über diesen oder jenen Starautor sind? Wenn ihr denkt, 1000 Bücher verkaufen sich von eben bis gleich, dann irrt ihr euch. Bereits 100 Bücher zu verkaufen, bedarf hoher Anstrengungen vonseiten des Verlages. Was ihr dann an Tantiemen erhaltet, könnt ihr euch selbst ausrechnen.



Genug für heute. Ich hoffe, ich habe nicht den einen oder anderen Traum vom Ruhm zerplatzt.